Gülle: Gold der Bauern oder Umweltdesaster? | DokThema | Landwirtschaft | Doku BR

Gülle: Gold der Bauern oder Umweltdesaster? | DokThema | Landwirtschaft | Doku BR


Untertitelung: BR 2017 Wir müssen zurück zu ökologisch
verträglicher Bodenbewirtschaftung. Da hilft uns niemand dabei. Das ist nicht gottgewollt,
sondern von uns gesteuert. Um Gottes willen,
sie werden keinen Landwirt finden, der bewusster Weise irgendwelche
Schädigungen in Kauf nimmt. Letztendlich man hat vieles auch
nicht gewusst, geb ich auch zu. Die Düngefracht, die wir jahrelang
auf den Weg gebracht haben, ist jetzt angekommen
im Grundwasserleiter und fließt irgendwann
auf die Brunnenfassungen zu. Gülle: Gold oder Umweltdesaster? Früher war der Misthaufen
der Stolz des Bauern. Nutztiere verrichteten einst
auf Stroh ihr Geschäft. Mit der Haltung
hat sich auch das Örtchen verändert: Heute fallen die Ausscheidungen
durch betonierte Spalten und werden zu Gülle. Kein Problem
in einer Kreislaufwirtschaft. Doch mit dem Aufkommen
des Mineraldüngers in den 60ern konnten billige Nahrungsmittel
schneller erzeugt werden. Das Gold des Bauern
verlor an Bedeutung. Dafür stieg
die Dünger-Gesamtmenge an. Die Folge: Die Felder
werden immer mehr belastet. Für Landwirt Georg Siegl ist
alles eine Frage des Verhältnisses. Gülle ist für ihn nach wie vor Leben. So schaut ein intakter Boden aus:
schön feines, krümeliges Gefüge. Jede Menge Feinwurzeln. Der Pflanzenbestand hat durchwurzelt
und kann Nährstoffe erschließen. Hier sieht man schon
den ersten Regenwurm. Das ist unser größter Partner, weil er den Boden lockert,
erschließt, Nährstoffe umsetzt. Er profitiert von der
organischen Gülle-Düngung und dem Pflanzenbestand
auf der Fläche. Darum sag ich immer: Gülle ist der bessere Dünger
im Vergleich zum Mineraldünger. Ackerbau, Pflanzenbau,
Boden, Tierhaltung, das Ganze ist ein komplexes Gefüge.
Eins greift ins andere. Wenn alles ausgeglichen ist,
dann ist es am besten. Das freut mich,
wenn ich so viele Regenwürmer seh. Da weiß man,
man hat nicht viel falsch gemacht bzw. alles richtig gemacht. Vor dem Hintergrund
ist es schon immer schwierig, wenn man das
auf der einen Seite so lebt und auf der anderen Seite
wirst du als Umweltvergifter, Wasserverschmutzer
oder sonst was hingestellt. Das sind ganz enge Grenzen,
wo wir uns bewegen. Es ist alles nicht ganz so einfach. Wir machen da nicht
grundsätzlich was falsch, sondern das sind Kleinigkeiten. Doch das Gold des Bauern,
es kann auch kippen, wenn das Gesamtsystem entgleist. Die Dosis macht das Gift,
das gilt auch für die Gülle. Allgemein gilt: Wird überdüngt, nehmen die Pflanzen
die Nährstoffe nicht mehr auf. Die sickern vielmehr in Form
von Nitrat bis ins Grundwasser. Nitrat verwandelt sich
im menschlichen Körper zu Nitrit, das krebserregend ist. Die hohen Nitratwerte
im Grundwasser zeugen davon, dass in der Vergangenheit
teilweise stark überdüngt wurde. Besonders im Schweinegürtel in Niedersachsen und
Nordrhein-Westfalen. Eine für die Gegend typische
Schweinemast mit etwa 3000 Tieren. In der Region Borken im Münsterland
lebt viel Vieh auf engem Raum. Das heißt: Die Landwirte haben nicht
die entsprechenden Flächen. Sie importieren Futter und exportieren Gülle. Georg Südholt ist Gülle-Händler. Er vermittelt Gülle zwischen
den Bauern, die viele Tiere besitzen und denen, die Äcker haben. Angefangen hat er
mit einem Lastwagen. Inzwischen koordiniert er
bis zu 16 Transporter täglich. Viele können sich nicht vorstellen, was wir machen,
wie unsere tägliche Arbeit aussieht. Es kommt oft die Frage:
Wie weit fahrt ihr mit der Gülle? Das stößt bei mir immer
auf Unverständnis. Es fragt auch keiner: Wie weit wird Blumendünger
transportiert oder anderer Dünger? Verständnis habe ich
für die Bevölkerung, dass die das hinterfragt. Wenn es fachlich und sachlich
bleibt, ist es okay. Leider rutscht es oft
in die andere Richtung ab. Ich denke, dass es
auf Unverständnis der Leute stößt. Die stellen sich
eine bäuerliche Landwirtschaft vor, wo fünf Schweine im Stroh liegen
und auf der Pusteblume rumkauen. Im Grunde genommen ist es aber so, dass der Landwirt
irgendwie überleben muss. Um billig zu produzieren,
wachsen die Betriebe und mit ihnen
die Hinterlassenschaften. Gülle besteht zwar
vor allem aus Wasser, aber eben auch
aus den Nährstoffen Stickstoff, Ammonium-Stickstoff und Phosphor. Eine Lkw-Ladung Schweine-Gülle
ist etwa 400 Euro wert. Der Preis schwankt.
Denn Gülle ist nicht gleich Gülle. In jeder Ladung
variieren diese Werte. Deswegen lässt Georg Südholt
Proben analysieren, damit Händler und Kunden genau
wissen, womit sie es zu tun haben, und am Ende nicht zu viel ausbringen. Dieser Laster transportiert heute
eine sog. Supergülle. Sie hat einen
niedrigen Phosphorgehalt. Das ist gefragt in der Region,
für die sie bestimmt ist. Wir fahren jetzt in unsere Region, also aus dem Münsterland
in die Region Unterer Niederrhein, um da Gülle auszubringen. Etwa 80 km,
eine durchschnittliche Distanz. Oft geht es nach Rheinland-Pfalz,
manchmal nach Sachsen-Anhalt. Eben dorthin, wo nicht
ganz so viele Tiere gehalten werden. Das ist moderne Landwirtschaft: Vieh und Äcker verbunden
durch einen Lastwagen. Hallo Peter. (Peter) “Moin, wie sieht es aus?” Luckas Bongardt
macht seinen Job gern, obwohl er mit seinem Gülle-Truck
nicht unbedingt gern gesehen wird. Wie in jeder Berufsbranche
gibt es schwarze Schafe. Wir z.B. fahren grundsätzlich … Wir hatten letzte Woche
noch die Anfrage, ob wir am 1. Mai
Gülle fahren können. Nein, da gibt es auch
keine Diskussionen. An Feiertagen und sonntags
fahren wir keine Gülle. Damit macht man sich den Ruf kaputt. Sonntags und feiertags sind
die ganzen Fahrradfahrer unterwegs. Dann fährt man
mit dem Güllefass daneben rum. Dann ist man wieder
der böse Landwirt oder der, der Gülle entsorgt.
Das ist völliger Quatsch. Wie viel Gülle durch Deutschland
reist, das weiß niemand. Fakt ist: Etwa 310 Mrd. Liter
fallen jährlich an. Knapp 100.000
olympische Schwimmbecken könnte man damit füllen,
Tendenz steigend. Dazu kommen auch noch
die Lastwagen aus Holland. 2016 waren es offiziell
1,4 Mrd. Liter Gülle, die von Holland
nach Deutschland gekarrt wurden. Und inoffiziell? Man befürchtet, dass
sehr viel mehr illegal entsorgt wird. In Holland ist die Viehdichte
in manchen Regionen noch höher als bei uns. Umweltschützer
wie Sebastian Schönauer prangern das illegale Ausbringen,
also das Verklappen, schon seit Langem an. Die Niederlande haben früher
die Gülle sehr smart beseitigt. Sie haben sie verklappt
in die Nordsee. Das wurde ihnen verboten. Dann haben sie den Überschuss
aufs Land gebracht. Dann wurden neue Gesetze geschaffen. Heute gibt es in den Niederlanden
Obergrenzen der Gülle-Verklappung. Dann verklappen sie
nach Deutschland rüber, weil wir die schwächeren
Gülle-Verklappungs-Gesetze haben. Das ist ein politischer Skandal. Nach 1,5 Stunden Fahrt
ist das Ziel erreicht. Da die Flächen gefragt sind, bekommt der Landwirt,
dem sie gehören, die Fracht umsonst. Der Bauer, der den an sich
wertvollen Dünger abgibt, bezahlt für das Abholen
und den Transport. Luckas Bongardt bringt
die Hinterlassenschaften äußerst vorsichtig aus. Damit weniger Ammoniak entweicht,
wird der Boden aufgeschlitzt, die Gülle hineingespritzt. Man sieht und riecht kaum noch etwas. Gülletransporte sind kein Problem, sagt der Generalsekretär des
Deutschen Bauernverbandes in Berlin. Er glaubt,
dass Spezialisierung die Zukunft sei: Viehhaltung auf der einen Seite,
Ackerbau auf der anderen und der Transport dazwischen. Wir gehen davon aus,
dass wir, solange wir noch mineralische Düngemittel
zukaufen und einsetzen, und das tut Deutschland
in großem Umfang, noch nicht alle Potenziale
in der Kreislaufwirtschaft und der Wiederverwertung von
Nährstoffen aus Düngern getan haben. Man könnte die Gülle
wertvoller machen, indem man Mineraldünger besteuert. Doch diese Idee hat sich
nie durchgesetzt. In Bayern ist die Lage ambivalent: Einerseits gibt es hier
weniger Massentierhaltung und damit weniger Gülle. Das Mangfalltal rühmt sich als größtes zusammenhängendes
Ökoanbaugebiet Deutschlands. Andererseits:
In fast einem Viertel Bayerns ist das Grundwasser
in einem schlechtem Zustand. Und wenn nichts getan würde,
wäre es noch viel schlimmer. Der bayerische
Landwirtschaftsminister setzt in einem neuen “Wasserpakt” auf freiwillige Kooperation
von Bauern und Wasserversorgern. Der BUND Naturschutz
sieht das kritisch. Da muss man etwas anderes machen
als Freiwilligkeit. Zu sagen,
wir setzen auf Freiwilligkeit und der einzelne Bauer müsse dafür
aus eigenem Vermögen und Willen seine Gewinne schmälern,
das wird er niemals machen. Das Misstrauen gegenüber
dem guten Willen der Bauern hat bei Naturschützern Tradition.
Fakt ist: Um eine nachhaltige Verbesserung
des Grundwassers zu erreichen, braucht man dringend
eine präzisere Dosierung beim Düngen. Auch einen Bewusstseinswandel
bei den Bauern? Diese Diskussion braucht man
in Bayern nicht führen. Die Bauern sind bereit.
Jeder dritte Hektar in Bayern steht unter freiwilligen
Agrar-Umweltmaßnahmen. Jeder zweite Betrieb
macht bereits mit. Doch auch der Bayerische Gemeindetag,
der Auftraggeber der Wasserversorger, verweigert die Teilnahme
am Wasserpakt. Wir fragen Landwirtschaftsminister
Helmut Brunner, ob ihn diese Verweigerung
überrascht habe. Er antwortet uns schriftlich: Ein finanzieller Ausgleich
also dafür, dass der Landwirt weniger Schaden
durch Überdüngung anrichtet. So funktionieren
bisherige Wasserkooperationen. Kritiker sehen darin einen Verstoß
gegen das Verursacherprinzip. Müsste die Verantwortung
für das Lebensmittel Nummer eins nicht die Freiheit
des Bauern begrenzen? Wenn man natürlich Dinge machen will und das Eigentumsrecht
des Bauern einschränkt, ist das für mich
selbstverständlich, dass in der Kooperation diese Einschränkungen
ausgeglichen werden müssen. Der Bauernverband muss raus
aus dieser negativen Haltung. Damit die Bauern
wieder Geld verdienen können mit einer Landwirtschaft, nicht nur dadurch,
dass sie Regeln übertreten und dann wieder Gelder bekommen
für Ausfälle, die sie haben. Motivierte Bauern braucht das Land? Mehr Unterstützung für bereitwillige
Landwirte tut sicher not. Was Nitratwerte unter landwirtschaftlichen Flächen
betrifft, zeigt Bayern solide Werte, steht sogar besser da
als Gesamtdeutschland. Doch auch in Bayern gibt es rote Nitrat-Zonen
und Wasserversorger in Not. Etwa in einer der viehreichsten
Gemeinden im Freistaat, dem niederbayerischen
Hohenthann-Pfeffenhausen. Viel gestritten wurde hier
über die möglichen Ursachen: Viehdichte, Schweinefutter,
Düngeverhalten, komplizierte Bodenverhältnisse. Sein Wasserwerk liegt in der Nähe
der Schweinemast-Hochburg im Landkreis Landshut. Hans Weinzierl gilt vielen Landwirten
hier als Provokateur. Er selbst möchte für
künftige Generationen wachrütteln und für unsere wichtigste
Existenzgrundlage kämpfen: Wenn wir um den Brei herumreden, wenn es niemand
auf den Punkt bringt, findet die Auseinandersetzung
nicht statt. Die ist notwendig im Interesse
einer guten Grundwasserqualität. Immer wieder muss er
Brunnen schließen, weil die Nitratobergrenze
weit überschritten ist. Er meint, Schadstoffe im Wasser
könne man nicht sehen, das sei das Hauptproblem. Wir haben seit einem Jahrzehnt
klare Erkenntnisse über die zunehmende
Grundwasserbelastung. Wir bewegen uns auf die Grenzwerte
der Trinkwasserverordnung zu, teileweise überschreiten wir
die auch. In Nachbarzweckverbänden
ist die Situation ähnlich. Wenn wir nicht endlich auf eine
umweltschonende Bewirtschaftung unserer Grundstücke hinwirken, wird sich an unserer Grundwasser-
Qualität nicht nur nichts ändern, sondern die Verschlechterung
wird weiter zunehmen. Früher ging es
um Versorgungssicherheit. Heute geht es um Qualitätssicherung. Der Aufwand, reines Trinkwasser
zur Verfügung zu stellen, wird für Hans Weinzierl immer größer. Seine Horror-Vision: teure Filter,
um das Nitrat zu entfernen, und hochbelastetes Restwasser
als Abfall. Wenn wir so weitermachen, sind wir eher ein Reparaturbetrieb
als ein vorsorgender Betrieb. Wenn Nitrat
aufbereitet werden müsste, wäre es nach derzeitigem Stand so, dass dadurch, übertrieben gesagt,
totes Wasser entsteht, weil dem Wasser alle Inhaltsstoffe,
auch die guten Mineralstoffe, entzogen werden würden. Das muss unser Anspruch sein, diese Aufbereitung von Nitrat
zu verhindern. Derzeit versucht er, das Problem durch den Neubau
von Brunnen zu lösen. Er kauft Land und richtet dort
neue Wasserschutzgebiete ein. Reines Wasser kann er dann
mit belastetem verschneiden. Wie lange das so gut geht,
weiß er nicht. Uns brächte weiter,
wenn die Gesellschaft allgemein und die politisch Verantwortlichen
begreifen würden, dass man den Wert des Grundwassers
nicht hoch genug einschätzen kann. So kann es nicht weitergehen.
Das ist unsere Hauptforderung: Endlich die Dinge, die man
rechtlich anbietet, auch umzusetzen, indem man kontrolliert und
bei Fehlverhalten sanktioniert. Doch kann der Staat
jedes Güllefass kontrollieren? Wie viel Dünge-Minderung
kann man den Landwirten zumuten, ohne den Ertrag zu gefährden? Was muss man ihnen zumuten,
wenn man weiß, wie viel Stickstoff
das Sickerwasser verträgt, ohne sich zu verschlechtern? Wir müssen zurück zu ökologisch
verträglicher Bodenbewirtschaftung. Da hilft uns niemand dabei. Das ist nicht gottgewollt,
was da passiert, sondern von uns gesteuert. Auf der anderen Seite,
bei den Schweinemästern, fühlen sich viele nicht verstanden und zu Unrecht
an den Pranger gestellt. Sie meinen, dass in Bayern
von Schweinefleisch-Überproduktion keine Rede sein könne. Auch die Nitratbelastung in
anderen Gegenden Bayerns sei extrem, aber aus Gründen
der Bodenbeschaffenheit. Georg Siegl, Wortführer
in Hohenthann, hat 6000 Schweine: Das hab ich nicht gewusst. Wollen wir über Nitrat reden oder
über Schweine? Über was reden wir? Es wird immer von außen
die Problematik so reingetragen, dass nur die Schweinehaltung
oder nur die Gülle ursächlich sei. Das ist nicht richtig, weil da so
viele Ursachen eine Rolle spielen: Die Bodenart, Niederschläge,
Versickerungsraten, Sauerstoffsättigung im Boden,
Ertragsniveau, Düngeniveau etc. Ich bin überzeugt, wir machen
eine nachhaltige Landwirtschaft. Es gibt eine aktuelle Studie
von Barilla, die der deutschen Landwirtschaft
bestätigt, dass sie die nachhaltigste ist
weltweit, gefolgt von Kanada. Wir produzieren diese Produkt
für den Verbraucher, das er auch täglich nachfragt. Vor den Bioläden bilden sich
keine langen Schlangen. Trotzdem stehen wir verstärkt
in letzter Zeit in der Kritik. In seinen Augen eine Zerreißprobe:
Billig soll es sein und öko. Wenn ich an meine Ausbildung denke: Das Thema “Nitrat-Problematik”
war da kein großes Thema. Das waren Ertragssteigerung und
betriebswirtschaftliche Optimierung. Jetzt erst, in letzter Zeit, ist
die Nitratproblematik dazugekommen. Für mich, und ich denke,
dass alle Landwirte das so sehen, ist der Grundwasserschutz in Zukunft genauso ein Produktionsfaktor
wie alle anderen Punkte auch. Da müssen wir dran arbeiten. Georg Siegl sieht sich
als landwirtschaftlicher Unternehmer: Zu 80% baut er das Futter
für die Schweine selbst an. Die Gülle misst er regelmäßig
auf ihren Stickstoff-Gehalt. Andere Bauern haben sich auf die Angaben
der staatlichen Beratung verlassen, die die Stickstoffdichte der
Hohenthanner Gülle unterschätzte. Alles Schweinderl. Ich bin nicht der, der jammert. Wir kommen gut zurecht,
das läuft ganz gut. Aber trotzdem müssen wir uns
wirtschaftlich zurechtfinden. Wenn wir kein Geld verdienen, wir machen es ja, um unseren
Lebensunterhalt zu bestreiten, dann können wir
gar nicht mehr produzieren. Dann kommt’s irgendwo her
unter schlechteren Bedingungen. Schweinemäster Georg Siegl klagt
über einen Mangel an Wertschätzung. Dabei habe man hier kein Problem mit einer sinnvollen Ausbringung
der Gülle, dem Gold des Bauern. Wir können unsere Gülle
im Bereich bis 15 km unterbringen. Bei uns sind die Transportkosten
niedriger als der Wert der Gülle. Wenn dann ein Nachbar
sehr nahe liegt und der kann seine Gülle abholen oder er fährt es direkt auf
die Felder oder wir bringen es ihm, dann ist es klar,
dass er bereit ist, was zu geben. Weil er einfach das Wissen hat,
wie wertvoll dieser Dünger ist. Woanders ist die Gülle nur Abfall. Ulrich und Stefanie Hermanns gehen
nicht spazieren in der Grafschaft, sie kontrollieren vielmehr
die Felder. Ihr Verdacht:
Hier wird Gülle entsorgt: Pro Hektar darf ein Landwirt 170 kg
Stickstoff pro Jahr ausbringen. Doch das wird kaum überwacht. Was Ulrich Hermanns hier
als Privatperson unternimmt, ist eine heikle Mission: Ich bin mal unterwegs gewesen
und habe Fotos gemacht. Dann kam einer vorbei
mit seinem riesengroßen Trecker, hat in aggressiver Weise seine Türe
aufgestoßen und mich angebrüllt: “Machst du schon wieder Fotos?
Willst du uns wieder anzeigen?” Ich hatte große Bedenken: Im nächsten Moment springt der raus
und ich liege auf dem Boden. Er dokumentiert, wie Lkws aus Holland
am Feldrand Schlange stehen, obwohl es bis nach Holland
mindestens 120 km sind. Angefangen hat er 2015,
als im Sommer ein Landwirt seine Gülle wie Abfall
aufs Feld schleuderte: Der Ort hat hier 4 Tage lang unter
einer stinkenden Glocke gehangen. Wir konnten kein Fenster öffnen,
uns nicht auf die Terrasse setzen. Es war brutal,
als brutal haben wir das empfunden. Wir waren so hilflos,
weil wir nicht wussten: Was passiert da?
Darf er das, darf er das nicht? Nein, darf er nicht. Gülle muss binnen vier Stunden
eingearbeitet werden. Diese Fäkalienwolke hat sich
durch die Poren der Steine ins Haus gezogen. Alles roch nur noch nach Gülle,
egal wo, sogar im Keller. Nach spätestens einem Tag
stank es nach Gülle. Es war fürchterlich. Ulrich Hermanns hat auch
Angst vor Unfällen. Denn die Transporter fahren teilweise
mit hohen Geschwindigkeiten: Von 2014 auf 2015 nahmen Unfälle
mit Gülle-Lastern um 41% zu. Ein Beispiel: Pleystein. Die Gülle
schaukelte sich in einer Kurve hoch, der Lkw kippte um, mitten im Ort. Die Ladung ergoss sich
über die Hauptstraße. Zum Glück wurde niemand verletzt. Auch bei der Lagerung kommt es
zu Unfällen wie in Arnstorf: Hier flossen 350.000 Liter Gülle
in den Kollbach. Eine der größten Umweltkatastrophen
im Landkreis. Über 10 Tonnen verendete Fische
wurden aus dem Fluss geholt. Alle drei bis vier Tage kommt es in Deutschland inzwischen
zu einem Unglück mit Gülle. Auch in der Grafschaft geschah
ein Unfall mit verheerenden Folgen: Es muss im Herbst 2014 gewesen sein, wir hatten einen plötzlichen Aufruf
von der Polizei, von der Feuerwehr. Die fuhren durch die Ortschaften: “Trinkwasser muss ab sofort
unbedingt abgekocht werden.” Das Trinkwasser war nach dem Unfall
so stark mit Bakterien belastet, dass die Bewohner es noch
14 Tage lang abkochen mussten. Eineinhalb Jahre lang mussten alle Leitungen
mit Chlor desinfiziert werden. Ulrich Hermanns trinkt
seitdem kein Leitungswasser mehr. Die Angst um seine Gesundheit
treibt ihn um. Ein neues Güllebecken ist in Planung. Es soll nur
mit einer Folie ausgelegt werden. Wer garantiert uns,
dass die Folie dicht ist? Dass keine Gülle unbemerkt
in den Untergrund gehen kann und später auch
ans Grundwasser geht. Oder wir hatten im letzten Jahr ein
wahnsinniges Starkregen-Ereignis, 200 Liter pro Quadratmeter. Was passiert, wenn so viel Regenwasser
ins volle Güllebecken gelangt? Ulrich Hermanns hat die Mitglieder
der Bürgerinitiative Gülle-Stopp zusammengetrommelt. Genau hier soll
das Becken gebaut werden. 5,5 Mio. Liter Fassungsvermögen. Ein Zwischenlager für
Gülle-Transporte aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Holland. Ich begrüße euch herzlich. Dagegen protestieren und klagen
die Bewohner in der Eifel: Ich habe vier Kinder
und Enkel hier großgezogen und möchte, dass es hier so bleibt, weswegen wir 1988
hierhergezogen sind. Die, die heute gekommen sind,
trotz des Wetters … Das ist überraschend
und ein Beleg dafür, dass es vielen Leuten
sehr ernst ist. Die Menschen haben Angst
um ihre Gesundheit, wenn hier
ein offenes Güllebecken steht, aus dem ungehindert
Ammoniak austritt. Die Landwirtschaft geht den Weg
weiter zur Massentierhaltung, was ein Problem
für die Gesundheit sein wird. Ich sehe einen
Landwirtschaftsminister, der die industrielle Tierhaltung
unterstützt. Dabei müssten die kleinen Bauern
unterstützt werden, wo die Tiere
artgerecht gehalten werden. Da entsteht auch
keine Gülle, da entsteht Mist. Deutschland,
der Fleisch-Exportmeister Europas. Weil die EU-Kommission im Herbst 2016
die Bundesregierung verklagt, kommt unter Druck eine
verschärfte Düngeverordnung zustande. Denn Deutschland hat
in den Augen der EU zu wenig
für den Gewässerschutz getan, hat die Nitratrichtlinie verletzt. Vorausgegangen war
ein politisches Tauziehen, Kompromiss-Lösungen,
Hinhalte-Taktik. Ein deutsches Trauerspiel? Es ist nicht nur peinlich,
sondern auch eine Schande für ein zivilisiertes Land
wie die Bundesrepublik Deutschland, dass sie nur dann Regeln einhält, wenn ihnen dies
von Gerichten aufoktroyiert wurde. Wir waren ja diejenigen,
die mitgestimmt haben bei der Einführung
der Nitratrichtlinie. Wir sagen: Wir müssen
die Dinge herunterführen. Wir brauchen
eine bessere Landwirtschaft. Und wenn’s drauf ankommt
machen wir das Gegenteil. Wir hatten über lange Jahre
die Situation, dass die ganze EU
mit repräsentativen Messnetzen gearbeitet hat, Deutschland aber
mit einem Belastungs-Messnetz. Dadurch sieht man sehr schnell,
dass die Behauptung, Deutschland war lange Jahre
am Ende der EU, einfach ein Statistikfehler
gewesen ist. Hat ein Statistikfehler Deutschland auf den zweitschlechtesten Platz
unter den Nitratsündern geführt? Ärger darüber
beim Bayerischen Bauernverband. Das kennt man doch in der EU. Es ist nicht das erste Mal,
dass Deutschland anders umsetzt. Es wäre wünschenswert, dass die anderen EU-Staaten sich
dem deutschen System annähern. Richtig ist, die Aussage “Nur Malta ist schlechter
als Deutschland” war voreilig. Ein neues Mess-Netz ergibt: Deutschland steht eigentlich
im Mittelfeld der EU-Nitratsünder. Doch die Werte haben sich seit 2008 weniger schnell verbessert
als erwartet, auch mit dem neuem Messnetz. Prof. Alois Heißenhuber leitet die Kommission Landwirtschaft
des Umweltbundesamtes: Sie sucht Lösungen für eine
umweltverträgliche Landwirtschaft und einen Weg
aus verhärteten Feindbildern. Man hat sich vielleicht zu Unrecht
schlecht behandelt gefühlt, durch diese Einstufung
in diesem EU-Ranking. Insofern kann ich
das nachvollziehen und sagen: Ihr stuft uns auf Platz 27 ein. Und daraus kann man
eine Nitratlüge konstruieren. Nichtsdestotrotz: Wir haben auch bei einem
anderen Messnetz keine Verbesserung. Wenn das nur
mit dieser fälschlichen Einstufung, wenn das alles Lüge wäre, braucht
man keinen Wasserpakt machen. Dann braucht man
keine neue Düngeverordnung machen. Das heißt: Wir müssen
unsere Hausaufgaben machen. Die Hausaufgaben in
der neuen Düngeverordnung sehen vor: Gärreste aus Biogasanlagen
künftig miteinrechnen, die Düngezeiten weiter eingrenzen, die erlaubten Stickstoffüberschüsse
senken. Zudem soll
eine neue Nährstoffbilanzierung eingeführt werden, allerdings
erst ab 2000 Schweinemastplätzen. Dem Bundesverband
der Energie- und Wasserwirtschaft geht auch die neue Düngeverordnung
nicht weit genug. Wir sehen, dass der Bundesrat
Zweifel gehabt hat bei der Verabschiedung. Dass man nicht weiß, ob damit auch
das Klageverfahren vom Tisch ist. Wir sehen, dass wir stehen
erst am Anfang der Diskussion. Wir sind nicht am Ende,
sondern am Anfang der Diskussion. Der Verband hat jetzt eine
eigene Nitratdatenbank geschaffen und die Werte der Trinkwasser-
Einzugsgebiete dokumentiert. Das Resultat: Ein Viertel überschreitet den
Schwellenwert von 50 mg pro Liter. Mit teils explodierenden
Nitrat-Werten. Die Düngefracht, die wir jahrelang nach unten
auf den Weg gebracht haben, ist langsam angekommen
im Grundwasser und fließt irgendwann
auf die Brunnenfassungen zu. Richtig hart trifft es
die Bewohner von Arendsee. Im 20-Minuten-Takt fahren Gülle-Lastwagen
an Petra Hennings Haus vorbei. Ob die Risse in den Mauern durch die
schweren Transporte entstanden sind? Von der ländlichen Idylle ist
auf jeden Fall nicht mehr viel übrig. Die meisten Menschen hier
trauen sich nicht mehr, ihre Wäsche im Freien aufzuhängen
oder im Garten zu sitzen. Ammoniak verpestet die Luft. Eines der schlimmsten Dinge ist,
dass es hier permanent stinkt. Wir haben ewig mit Geruch zu tun,
wenn wir das Fenster aufmachen, besonders in den Morgen-
und Abendstunden, stinkt es. Manchmal ist es
wirklich penetrant, ekelhaft. Das ist nicht hinzunehmen,
damit kann man nicht leben. Ich möchte so nicht mehr leben. Ammoniak ist ein giftiges Gas
mit stechendem Geruch, das Augen und Lunge reizt. Ich selber habe oft mit dem Hals
zu tun, ich habe oft Halskratzen, die Stimme ist belegt. Das sind alles Auswirkungen
des enormen Ammoniaks. 650 Meter von ihrem Haus entfernt steht eine Ferkelzuchtanlage
mit vermuteten 40.000 Tieren. Ammoniak tritt
an manchen Stellen ungehindert aus. Es entsteht, wenn Eiweiß
in der Gülle zersetzt wird. Auch beim Ausbringen
oder beim Lagern entweicht Ammoniak. In der Luft bildet es Feinstaub und wird über große Entfernungen
transportiert, beeinträchtigt Ökosysteme und
die Gesundheit von Menschen. Petra Hennings hat 2009 eine Bürgerinitiative
gegen die Ferkelzucht gegründet. Sie sammelt seitdem Fakten, will ihre
Beschwerde gerichtlich durchsetzen. Gerüchte gibt es viele: Die Anlage
wäre schwarz gebaut worden. Oder: Gülle werde illegal verklappt. Petra Hennings hatte den Verdacht,
dass die Gülle aus der Ferkelzucht direkt in den Bach Flöte
eingeleitet wurde. Um das zu beweisen, nahm sie
Wasserproben, die sie prüfen ließ. Ihr Verdacht war richtig. Inzwischen musste der Betreiber
das Verklappen einstellen. Aber für den Bach ist es zu spät. Die Flöte war immer voller Leben. Als Kinder haben wir
hier oft gespielt. Wir hatten Stichlinge,
diese komischen Blutegel, einen Haufen Muscheln. Jetzt ist gar nichts mehr drin. Außerdem fließt das Wasser
der Flöte weiter in die Jetze. Die fließt in die Elbe
und die Elbe in die Nordsee. Und so geht der Kreislauf
immer weiter. 89% der Flüsse und Bäche sowie
57% der Seen in Deutschland sind in einem schlechten Zustand. Überdüngt. So wie der Arendsee.
Der Phosphorgehalt ist viel zu hoch. Ein Umweltdesaster. Gerade im Sommer, im Hochsommer
wachsen hier die Blaualgen und der Arendsee wird grün. Wir hatten das hier schon mal
vor 3 Jahren, glaube ich. Da musste im Sommer ein Badeverbot
verhängt werden für vier Wochen aufgrund der Blaualgen. Die sind gesundheitsschädlich
sind für die Badegäste. Ein Holländer, Adrian Straathof,
hat die Anlage errichtet. Statt die Gülle quer
durch die Republik zu transportieren, hatte er sich entschlossen, gleich in Deutschland
11 gigantische Ställe zu bauen. Einer steht in Bayern. Adrian Straathof wurde inzwischen wegen Verstößen
gegen das Tierschutzrecht verurteilt. Eine Holding hat
alle Ställe übernommen. Ein Interview mit uns lehnt sie ab. Die Bewohner behaupten,
es habe sich nichts geändert. Sie haben dokumentiert, wie Gülle
illegal im Winter ausgebracht und um den See verschüttet wird. Christian Stark und Petra Hennings sind die Vorsitzenden
der Bürgerinitiative. Sie haben das Verklappen
der Gülle angezeigt. Bisher ohne Erfolg. Es ist zwischenzeitlich
schwierig gewesen. Ich hatte schon mal den Punkt,
wo ich gesagt habe: Ich hab keine Lust mehr,
ich will das nicht mehr. Die Behörden haben mich angelogen,
uns angelogen. Ich hab gesagt,
ich kann nicht mehr. Ich kann das nicht verstehen,
warum man das tut. Doch jetzt scheinen sie den wunden
Punkt der Anlage gefunden zu haben: Sie haben Belege, dass ein großer Teil der Ställe
ohne Genehmigung gebaut wurde. Das gibt ihnen Hoffnung,
vor Gericht zu gewinnen. Es gibt so viele Bürgerinitiativen,
die aufgestanden sind, die sagen: Wir lassen uns das
nicht mehr gefallen. Wir sind hier nicht alleine. Es sind so viele Menschen im Lande,
die aufgestanden sind. Da ist es Zeit,
dass wir das zu Ende bringen. Sie wollen erreichen,
dass hier deutlich weniger als die befürchteten 40.000 Tiere
gehalten werden. Simon-Fleisch in Wittlich ist
eines der Top-10-Fleischunternehmen in Deutschland. Wöchentlich werden hier
etwa 20.000 Schweine geschlachtet. 2016 hagelte es Rekorde
für die Fleisch-Industrie: Es wurde so viel geschlachtet
und exportiert wie noch nie. Bernhard Simon
ist der Geschäftsführer, der einzige von 15 Fleischerzeugern,
der auf unsere Anfragen antwortet. Aber auch er weiß, dass die
Hersteller kritisch beäugt werden. Die Firma will etwas
für den Wasserschutz tun und hat in eine Kläranlage
investiert. Wir haben jährlich
185.000 Kubikmeter Abwasser. Das ist Wasser, das zur Reinigung
des Betriebes genutzt worden ist. Es ist verschmutzt mit Fettresten,
die werden herausgefiltert. Dann wird das Wasser,
wenn es vorgefiltert ist, noch mal der biologischen
Kläranlage zugeführt. Dieses Unternehmen investiert
auch in den Export. Bernhard Simon war gerade
in Korea und Vietnam. Asien ist inzwischen
ein wichtiger Absatzmarkt für Schweinefleisch
“Made in Germany”. Und Deutschland mittlerweile
nach den USA und China einer der größten Exporteure
weltweit: 52% des in Deutschland
produzierten Schweinefleischs wurde 2016 exportiert. Das Fleisch geht ins Ausland,
die Gülle bleibt hier? Von unserer produzierten Menge
verbleibt etwa 70% in Deutschland, 30% geht in EU-Länder
und natürlich auch Asien. Wir haben gerade einen sehr starken
Wachstum im asiatischen Bereich und vermarkten im Wesentlichen
die Produkte, die man hier nicht mehr
vermarkten kann: Füße, Schwänze, Knochen usw.
Das geht fast komplett nach Asien. Natürlich ist es lohnender,
auch diese Teile zu exportieren, wenn billig produziert wird. Die Preise bei uns hat
der Handel lange gedrückt: Etwa 120 Euro pro Schwein bekamen
die Landwirte vor einem Jahr. Das ist sehr wenig. Die Strategie: die Verbraucher
mit Billigangeboten locken. Günstiges Fleisch ist immer noch ein
großer Aufhänger für Werbekampagnen. Mir sagte letztens ein großer
Lebensmittel-Einzelhändler: Man bekommt die meisten Leute
am Samstag in den Laden, wenn wir günstig im Sommer
Grillartikel anbieten. Doch inzwischen steigen die Preise: Aktuell bekommt ein Landwirt
etwa 160 statt 120 Euro pro Schwein. Der Fleischkonsum in Deutschland
ist außerdem leicht rückläufig. Etwas weniger, dafür etwas
teureres Fleisch. Ein Lösungsansatz. Im niederbayerischen Rottenburg
an der Laaber vermisst Hans Weinzierl
eine Wasserlobby, ebenbürtig dem Bauernverband. Mit einem Brief
an den Bundeslandwirtschaftsminister möchte er die herkömmlichen
Subventionen hinterfragen und fordert Gelder
für eine Nitrataufbereitungsanlage. Warum keine Fördermöglichkeiten
für eine Investition, die ausschließlich
deshalb notwendig ist, weil man zu viel Nährstoffe
auf die Felder ausbringt. Der Schaden ist nicht
von uns verursacht, auch nicht von Bürger A oder B
verursacht. Alle Kunden zahlen aber
für den Schaden. Das treibt mich schon lange um. Ich wollte einen Versuch starten,
mal schauen, was rauskommt. Ich möchte dazu
eine verbindliche Antwort haben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium
lehnt auf unsere Nachfrage eine solche “Investition zur
Trinkwasseraufbereitung” ab. Schriftlich heißt es: Mit Forschung
einen Bewusstseinswandel anzuregen, das ist das Ziel
eines breit angelegten Projektes des Bayerischen Landesamtes
für Umwelt. Welche Faktoren sind ursächlich für
die hohe Nitratbelastung der Gegend? Müssen die Landwirte umdenken?
Das Ergebnis der Studien: Über die Hälfte der Bauern
brachte in den letzten 5 Jahren mehr Stickstoff auf die Felder aus
als erlaubt. Bei über der Hälfte
von rund 100 Grundwasser-Messstellen wurden überhöhte Nitratwerte
festgestellt. Wie das? Man hat die Gülle nicht gemessen,
die mehr Stickstoff enthält. Man musste die Gülle ausbringen
wegen geringen Lagerkapazitäten. Man durfte auch im Herbst
Gülle ausbringen, wo die Pflanze keinen Bedarf hat. Der Stickstoff in der Gülle
ist nicht so berechenbar wie der Dünger aus dem Düngersack. Man muss mehr nachdenken oder
messen, wenn Gülle verwendet wird. Die Landwirte
haben dem nicht getraut und mehr Mineraldünger genommen. Der Landwirt müsste
sich mehr Gedanken machen. Man kann sich nicht mehr
darauf verlassen, dass der Staat das richten wird. Ein Anfang ist gemacht, runde Tische
haben für mehr Verständnis gesorgt. Auch dafür,
dass weniger oft mehr ist. Und dass die Böden manchmal
sogar keinen Dünger mehr bräuchten. Auch Georg Siegl will
diesen neuen Weg beschreiten: Mit Hightech am Acker: So, hier haben wir
einen Stickstoff-N-Sensor, kombiniert mit Düngerstreuer. Das ist eine relativ
neue Entwicklung und ist jetzt an einem Punkt,
wo es Marktreife erreicht. Beim Überfahren des
Pflanzenbestandes misst der Sensor: Wie viel hat die Pflanze
bereits Stickstoff aufgenommen. Gleichzeitig ist der Traktor
mit GPS ausgestattet. Wenn der misst: die Pflanze ist
ausreichend mit Stickstoff versorgt, dann tut er hinten weniger düngen. Das spart uns Geld und zusätzlich kriegen wir
Entlastung auf den Nitrat-Haushalt. Protest, Umdenken, und der Kampf für
mehr Verständnis liegen hinter ihm. Wegen VW redet keiner, wenn die alle
bescheißen, bewusst bescheißen. Bei uns ist es mehr oder weniger
aus Unwissenheit entstanden. Das war natürlich lange Zeit auch,
erklärtes Ziel der Politik: Dem Bürger möglichst günstig
mit Lebensmittel zu versorgen, damit er möglichst viel
in der Tasche hat, damit die allgemeine Wirtschaft
gut floriert. Wenn man sich das anschaut
in Deutschland: Nirgendwo wird so wenig anteilig
vom Lohn für Lebensmittel ausgegeben wie bei uns. Sicher spielt der Verbraucher
hier eine entscheidende Rolle. Aber auch die Politik sollte
die Bauern mehr unterstützen, indem sie umweltschonende Maßnahmen
fördert und Subventionen abschafft, die sich allein an der Größe
des Betriebs orientieren. Untertitelung: BR 2017

7 Comments

  1. Warum muss i 2 Jahre alte Dokus immer wieder neu hochladen und immer weiter aufhetzen, aufhetzen, aufhetzen🤔🤔🤔

  2. Eine Frei Marktwirtschaft mit einer Planwirtschaft verbinden denn alle Biologischen Kreisläufe sind verbunden.

  3. Wenn die Nutztiere Art gerecht gehalten werden kann dieses etwas für besseres Fleisch bringen und so kommt man auf andere Gedanken?

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